Meldung vom 26.06.2026 Pressemitteilung:

Angriffe auf den Sozialstaat - IG Metall schlägt Alarm: "Beschäftigte sollen die Zeche zahlen!"

Abstimmung auf dem Gewerkschaftstag 2019

26. Juni 2026 26. Juni 2026


Angriffe auf den Sozialstaat - IG Metall schlägt Alarm: "Beschäftigte sollen die Zeche zahlen!"

  • Barbara Resch: „Die Industriekrise wird nicht gelöst, indem man den Beschäftigten die Sicherheit nimmt.“

Stuttgart. Die Vorschläge der Alterssicherungskommission stoßen bei der IG Metall Baden-Württemberg auf ein gemischtes Echo. Während einzelne Ansätze wie die Weiterentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung begrüßt werden, warnt die Gewerkschaft eindringlich vor Angriffen auf bewährte Instrumente der Alterssicherung und des Sozialstaats.

Barbara Resch, Bezirksleiterin der IG Metall Baden-Württemberg:
„Wer glaubt, die wirtschaftlichen Probleme unseres Landes durch Kürzungen bei Renten, Altersteilzeit oder sozialen Sicherungssystemen lösen zu können, hat die Herausforderungen unserer Industrie nicht verstanden. Während tausende Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie um ihre Zukunft kämpfen, wird über Kürzungen bei Rente und Altersteilzeit diskutiert. Die Beschäftigten haben diese Krise nicht verursacht. Sie dürfen jetzt nicht die Rechnung dafür bezahlen.“

Gerade Baden-Württemberg stehe als Industrieland vor gewaltigen Umbrüchen. In der Automobilindustrie, im Maschinenbau und bei vielen Zulieferern würden tausende Beschäftigte um ihre Zukunft kämpfen.

Resch weiter: Unsere Kolleginnen und Kollegen erleben tagtäglich Transformation, Personalabbau und enormen Leistungsdruck. In einer solchen Situation den Sozialstaat infrage zu stellen, ist das völlig falsche Signal. Sicherheit schafft Vertrauen. Vertrauen ist die Voraussetzung für Veränderung.“

Kritisch bewertet die IG Metall insbesondere Überlegungen, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren sowie bewährte Formen der Altersteilzeit einzuschränken.

„Wer 45 Jahre gearbeitet, Schicht geschoben und den Wohlstand dieses Landes mit aufgebaut hat, hat Respekt verdient und keine Rentenkürzung durch die Hintertür. Lebensleistung muss anerkannt werden,“ so die Gewerkschaftschefin.

Besonders die Altersteilzeit sei in Zeiten tiefgreifender Transformation unverzichtbar. Resch dazu:

„Altersteilzeit ist kein Auslaufmodell, sondern ein Zukunftsinstrument. Sie hilft Beschäftigten, gesund in den Ruhestand zu kommen, und ermöglicht Betrieben gleichzeitig einen sozialverträglichen Generationenwechsel. Wer dieses Instrument schwächt, erschwert den Wandel in den Betrieben.“

Die IG Metall Baden-Württemberg fordert stattdessen eine Politik, die die Zukunftsfähigkeit des Industriestandorts stärkt und gleichzeitig soziale Sicherheit gewährleistet. Man brauche jetzt Investitionen in Innovationen, Infrastruktur, Qualifizierung und bezahlbare Energie. Was man dagegen nicht brauche: Eine Debatte darüber, wie man Beschäftigten weniger Sicherheit gibt.


Abschließend fordert Barbara Resch eine sachliche Debatte über die Zukunft des Sozialstaats:

„Ein starker Industriestandort braucht einen starken Sozialstaat. Beides gehört zusammen. Wer die Menschen für die Transformation gewinnen will, muss ihnen Sicherheit geben – nicht Angst vor dem Alter.Sozialabbau schafft kein Wirtschaftswachstum.“