9.990 Jahre gelebte Solidarität
IG Metall Villingen-Schwenningen ehrt langjährige Mitglieder in der Donauhalle
Donaueschingen. Fast zehn Jahrtausende gewerkschaftliches Engagement vereinten sich am 24. Oktober 2026 in der Donauhalle Donaueschingen: Die IG Metall Villingen-Schwenningen ehrte ihre langjährigen Mitglieder und würdigte dabei insgesamt 9.990 Jahre Mitgliedschaft. Rund 90 Gäste waren der Einladung zur traditionellen Jubilarfeier gefolgt.
Im Mittelpunkt des Nachmittags standen die Jubilare des Jahres 2026, deren langjährige Treue zur Gewerkschaft beispielhaft für Zusammenhalt, Solidarität und den Einsatz für gute Arbeitsbedingungen steht. Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Villingen-Schwenningen, Thomas Bleile, begrüßte die Gäste und würdigte besonders Herbert Hirt, Vorsitzender des Senioren-Arbeitskreises, sowie die beiden 25-jährigen Jubilare Susanne Bornhäuser, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei Tenneco, und Michael Kornmaier, freigestelltes Betriebsratsmitglied bei Aumovio.
Für den musikalischen Rahmen sorgte die Band „Sascha Arnold and Friends“, die mit ihrer abwechslungsreichen Begleitung zur festlichen Atmosphäre beitrug.
Ein Blick zurück auf bewegte Zeiten
In seiner Festrede nahm Thomas Bleile die Gäste mit auf eine Reise durch die Jahrzehnte und erinnerte an gesellschaftliche, politische und gewerkschaftliche Ereignisse, die die jeweiligen Jubiläumsjahrgänge geprägt haben.
Die heute 70-jährigen Gewerkschaftsmitglieder traten 1956 der IG Metall bei – in einem Jahr, das von bedeutenden Veränderungen geprägt war. Damals wurde die Grundlage für die Bundeswehr geschaffen, die Arbeitslosenhilfe weiterentwickelt und die Tagesschau etablierte sich als regelmäßige Nachrichtensendung. Gleichzeitig kämpften Gewerkschafter in einem 114 Tage andauernden Streik für die Gleichbehandlung von Arbeitern und Angestellten im Krankheitsfall.
Für die Jubilare mit 60-jähriger Mitgliedschaft begann ihr Weg in die Gewerkschaft 1966. Die Metall- und Elektroindustrie verzeichnete damals Tarifsteigerungen von sechs Prozent, während Unternehmen verstärkt Druck auf Tarifstandards ausübten. Im Fernsehen startete mit „Star Trek“ eine Serie, die bis heute Kultstatus genießt.
Das Eintrittsjahr 1976 markierte einen Meilenstein für die betriebliche Mitbestimmung. Mit dem Inkrafttreten des Mitbestimmungsgesetzes erhielten Arbeitnehmervertreter stärkeren Einfluss in den Aufsichtsräten großer Kapitalgesellschaften. Gleichzeitig verteidigte die IG Metall die Tarifautonomie gegen Forderungen nach Lohnzurückhaltung. Musikalisch prägten sowohl Punkrock als auch die Hits von ABBA dieses Jahr.
Die 40-jährigen Jubilare traten 1986 der Gewerkschaft bei – einem Jahr, das von der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl überschattet wurde. Der Deutsche Gewerkschaftsbund sprach sich daraufhin für einen Atomausstieg aus. Zudem wurden die Weichen für die spätere Forderung nach der 35-Stunden-Woche gestellt. Mit der Initiative „Mach meinen Kumpel nicht an!“ setzte die Gewerkschaft zugleich ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.
Die 25-jährigen Jubilare wiederum wurden im Jahr 2001 Mitglied der IG Metall. Dieses Jahr bleibt vor allem durch die Terroranschläge auf das World Trade Center in Erinnerung. Gewerkschaftlich konnten unter anderem Lohnerhöhungen in der Metall- und Elektroindustrie, Verbesserungen bei Altersteilzeit und der Übernahme von Auszubildenden erreicht werden. Zudem entstanden mit der MetallRente neue Formen der betrieblichen Altersvorsorge. Auch die Gründung von ver.di, der Start von Wikipedia und die Veröffentlichung von Windows XP fielen in diese Zeit.
Dank für jahrzehntelanges Engagement
„Diese langjährige Treue zur IG Metall ist nicht nur ein Zeichen von Solidarität, sondern auch ein starkes Fundament für unsere gemeinsame Zukunft“, betonte Thomas Bleile und dankte allen Jubilarinnen und Jubilaren für ihr jahrzehntelanges Engagement.
Nach dem offiziellen Teil nutzten die Gäste die Gelegenheit für persönliche Gespräche, gemeinsame Erinnerungen und den Austausch über die vielen Entwicklungen, die sie in ihrem Berufs- und Gewerkschaftsleben begleitet haben. Bei Suppe, Kaffee und Kuchen klang die Feier in geselliger Atmosphäre aus – verbunden mit dem Bewusstsein, Teil einer starken Gemeinschaft zu sein, die seit Generationen für gute Arbeit und Mitbestimmung eintritt.
Für 2026 ergab sich folgende Aufstellung:
25 Jahre Mitgliedschaft: 66
40 Jahre Mitgliedschaft: 68
50 Jahre Mitgliedschaft: 68
60 Jahre Mitgliedschaft: 18
70 Jahre Mitgliedschaft: 12
75 Jahre Mitgliedschaft: 4